Am 9. Juni: Gegen Leistungsterror und Konkurrenzdenken!

Probier's mal mit Gemütlichkeit!

In den letzten 3 Wochen ist unser Aufruf und Flyer für den Bildungsstreik 2010 am 9. Juni entstanden. Die Arbeiten in den AKs und Plenas gehen natürlich weiter, aber wir wollen euch die Ergebnisse unserer Arbeit nicht vorenthalten. Die im Aufruf vertretenen Position sind in den u.g. Forderungen komprimiert.

Wir fordern…

  • Eine Schule für Alle — Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem!
  • Kostenlose Bildung für Alle — Gegen Büchergeld und sonstige Kosten in der Schule!
  • Mehr Lehrerinnen und Lehrer — kleinere Klassen!
  • Gegen Schulzeitverkürzungen, wie das G8-Abitur!
  • Keine negativen Konsequenzen für streikende Schülerinnen und Schüler!
  • Bundeswehr raus aus den Schulen!
  • Eine stärkere Integration von SchülerInnen mit Behinderungen in den Regelunterricht!
  • Eine radikale Demokratisierung des Schulsystems und aller Lebensbereiche!

Probier’s mal mit Gemütlichkeit! Gegen Leistungsterror und Konkurrenzdenken!

Das deutsche Bildungssystem ist auch nach einem Jahr des Bildungsstreiks immer noch ein Sanierungsfall. Im Rahmen der Streiks, Demonstrationen und Besetzungen der vergangenen Jahre ist uns bewusst geworden, dass Veränderungen im Bildungswesen, besonders in der Schule, nicht einfach von der Regierung und Parteien umgesetzt werden können. Es braucht einen permanenten, gesellschaftlichen Druck auf die Bildungseinrichtungen und die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, damit tatsächliche Veränderungen stattfinden.

Besonders die Forderungen der SchülerInnen und der Auszubildenden fielen in der Vergangenheit unter den Tisch. Wir wollen mit unseren Aktionen im Jahr 2010 insbesondere die Interessen dieser Gruppen in den Fordergrund stellen.
Zwar werden viele Schulen gerade jetzt, aufgrund der Konjunkturpakete renoviert, doch diese Maßnahmen sind oberflächlich und kommen meistens nur bestimmten »Prestigeschulen« zugute. Der Großteil der Bildungseinrichtungen leidet weiterhin an chronischem Personalmangel, überfüllten Lehrplänen und maroden Schulgebäuden.

Unsere Kritik bezieht sich jedoch nicht nur auf die äußeren Begebenheiten unseres Bildungssystems, sondern auch auf die Prinzipien, die diesem zugrunde liegen: Statt interaktivem Unterricht, bei dem gemeinsam Inhalte erarbeitet werden, wird auf starren Frontalunterricht gesetzt. Wenige Menschen in Deutschland empfinden die eigene Schulzeit als besonders angenehm oder produktiv. Diese Einstellung hat einen Grund, denn der natürliche Lerntrieb des Menschen wird durch hierarchisch aufgebautem Unterricht mit ständigem Leistungsdruck zerstört.

Die Aufteilung auf das mehrgleisige Schulsystem nach der vierten Klasse verstärkt die sozialen Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft und führt zu einer frühen Einteilung in Elite und Versager. Kinder mit Migrationshintergrund, aus schwierigen sozialen Verhältnissen und mit Behinderungen werden dadurch systematisch benachteiligt. Wir setzen dem ein solidarisches Modell entgegen, bei dem wir miteinander und voneinander lernen wollen.

Das zunehmende Engagement der Bundeswehr an Schulen beobachten wir mit großem Bedenken. Unabhängig von unserer grundsätzlichen Einstellung zu Staat und Militär, darf es nicht sein, dass das Militär sich in Krisenzeiten als »sicheren Arbeitgeber« präsentiert, um junge Menschen zum Sterben und zum Töten zu motivieren.

Reflektiert mensch die Rolle des Bildungssystems in unserer Gesellschaft, kommt mensch zum Schluss, dass nicht Allgemeinbildung, oder »Bildung für’s Leben« die Ziele sind, sondern dass es lediglich darum geht die Lernenden an Konkurrenzdenken, Leistungsdruck und Identitätsverlust zu gewöhnen. Denn das erwartet sie in der Gesellschaft nach der Schule. Bildung kann mensch daher nicht frei von anderen gesellschaftlichen Zwängen sehen. Der Glaube, dass es in unserer jetzigen Gesellschaft »freie Bildung« — ohne Einfluss von Wirtschaft und Staat — geben kann, ist falsch. Wir wollen daher nicht nur eine Veränderung des Schulsystems erreichen, sondern eine Kettenreaktion auch auf andere gesellschaftliche Bereiche bewirken. Das Bewusstsein der Betroffenen, ob SchülerInnen, Studierende, Auszubildende, LohnarbeiterInnen oder Erwerbslose muss sich zu einer gesamtgesellschaftlichen kritischen Perspektive verändern, sodass dadurch sozialer Fortschritt und Emanzipation erkämpft werden können.

Unsere Kritik des Bildungssystems ist also gleichzeitig eine Kritik unserer Gesellschaft und der gegenwärtigen Zustände. Nicht Regierungen oder Parteien werden tiefgreifende Veränderungen beschließen, sondern wir werden durch Selbstorganisation und praktische Solidarität unsere Alternativen umsetzen!

Gegen das jetzige Bildungssystem!
Für Solidarität, freie Bildung und ein selbstbestimmtes Leben!